Michael Kleeberg

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Michael Kleeberg

Michael Kleeberg, geboren 1959 in Stuttgart, lebt als Schriftsteller und Übersetzer (u. a. Marcel Proust, John Dos Passos, Graham Greene, Paul Bowles) in Berlin. Sein Werk (u. a. Ein Garten im Norden, Karlmann, Vaterjahre, Der Idiot des 21. Jahrhunderts) wurde in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt. Zuletzt erhielt er den Friedrich-Hölderlin-Preis (2015) und den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung (2016).

©  Lothar Koethe

Glücksritter. Recherche über meinen Vater

Aktuelles Buch

Glücksritter. Recherche über meinen Vater

Galiani Berlin

Die Herkunft kann man verlassen - aber kann man der eigenen Zeit entkommen? Der Erzähler und seine Familie sind verreist, der achtzigjährige Vater hütet währenddessen das Haus. Nach ihrem Urlaub finden die Heimkehrer einen beunruhigenden Mailwechsel des Vaters. Eine kurze Recherche macht klar: er ist einem Trickbetrüger aufgesessen, der ihn um seine letzten Groschen brachte. Und nach dem Tod des Vaters wird das Ereignis zum Ausgangspunkt für Kleebergs Nachdenken über ihn. Einen, der in fast asozialen Verhältnissen in den Gassen Frankfurts aufwächst, sich als Vierzehnjähriger alleine durch das zerstörte Land schlagen muss; der sich nach dem Krieg ohne höheren Schulabschluss hocharbeitet, ein Einzelkämpfer, der sich jeder sozialen Zugehörigkeit verweigert. Ein Mann, der sich zeitlebens nicht von den Prägungen seiner unter dem Nationalsozialismus verbrachten Kindheit zu lösen vermag. Ein Mann zwischen Vorurteilen, Anstand und Fluchtdrang. Idealistisch, naiv, selbstgenügsam, jähzornig. Einer, dem Geld und Status immens wichtig sind, der aber einmal Erreichtes auch immer wieder zerstört. Einer, zu dem der Sohn in ein Hassliebeverhältnis gerät, das von Rivalität, Rachegelüsten, aber auch von tiefster Zärtlichkeit geprägt ist.

4 Fragen 4 Antworten

Was bedeutet diese Buchmesse für Sie?

Seit Jahren höre ich den Wunsch, diese Messe an einem Wochenende unter Rechtehändlern im Frankfurter Hof abzuhalten und die lästigen Autoren zu Hause zu lassen. Warum nicht? Die Krise hat ja ein kreatives Feuerwerk alternativer Vermittlungsformen für Literaturauftritte geschaffen, und für den physischen Kontakt Autor-Leser ist ohnehin eher Leipzig der Ort, und nicht Frankfurt.

Welche Leser*innen wünschen Sie sich?

Ich wünsche mir Leser beiderlei Geschlechts, die der Hingabe an einen Text fähig sind. Lese-hingabe, so wie man sich auch in der Liebe hingibt: man springt aufs ablegende Boot einer Geschichte und vertraut sich den Winden an.

Mit welchem Satz überzeugen Sie Ihre Leser*innen, Ihr neues Buch zu lesen?

Wer immer einen Vater hat und ihn geliebt und an ihm gelitten hat, wer immer einen Vater hat, der angesichts seines Kindes die Hände überm Kopf zusammengeschlagen hat, wird sich und seine Zeit in diesem Buch wiederfinden.

Was war gut am Shut-down, was haben Sie aus der Corona-Krise gelernt?

Was ich gelernt habe: Carpe Diem. Die Schönheit der Natur. Die Wichtigkeit von Familie und Freunden. Bewunderung für viele, die im Dienst der Allgemeinheit über sich hinausgewach-sen sind. Verachtung für Fanatiker, Spinner, Denunzianten und Egoisten.

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