Das Blaue Sofa eröffnete Lesefest "Open Books"

10.10.2017 | Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt am Main

Seit 17 Jahren bringt „Das Blaue Sofa“ Autoren und Journalisten auf der Frankfurter Buchmesse ins Gespräch. 70 Schriftsteller aus der ganzen Welt nehmen in diesem Jahr auf dem literarischen Kultmöbel Platz, wobei der Schwerpunkt in Anlehnung an das Gastland Frankreich auf französischsprachigen Autoren liegt. Gestern Abend eröffnete „Das Blaue Sofa“ unter anderem mit Buchpreisträger Robert Menasse das Lesefest „Open Books“.

D. Eribon © Patrice Normand Opale Lehmige | E. Demski © Wolfgang Schopf Insel Verlag | J. Becker © Blaues Sofa Bertelsmann

Ohne dieses Möbelstück wäre die Frankfurter Buchmesse nicht vollständig eingerichtet. Seit 17 Jahren bringt „Das Blaue Sofa“, das gemeinsame Autorenforum von Bertelsmann, dem ZDF und Deutschlandfunk Kultur, Schriftsteller und Kulturjournalisten miteinander ins Gespräch. 70 Autorinnen und Autoren aus der ganzen Welt nehmen in diesem Jahr auf dem literarischen Kultmöbel Platz, wobei der Schwerpunkt in Anlehnung an das Gastland Frankreich auf französischsprachigen Autoren liegt.

So sitzt am Donnerstag beispielsweise die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani, deren jüngstes Werk „Dann schlaf auch du“ in Deutschland bei Luchterhand erschienen ist, auf dem „Blauen Sofa“. Ein weiteres Highlight ist der Besuch von Salman Rushdie, dessen Roman „Golden House“ von C. Bertelsmann verlegt wird. Außerdem nehmen unter anderen die Bertelsmann-Autoren Richard David Precht (Goldmann), Yvonne Hofstetter (C. Bertelsmann), John Burnside (Knaus), Paula Hawkins (Blanvalet), Ulla Hahn (DVA) und Jürgen Neffe (C. Bertelsmann) ebenso wie Daniel Kehlmann, Uwe Timm oder Gregor Gysi auf dem „Blauen Sofa“ Platz.

Robert Menasse und Volker Weidermann (v.l.)

Eröffnung der „Open Books“

Bevor die berühmte Couch jedoch heute zum offiziellen Auftakt der Buchmesse ihren Platz auf dem Messegelände im Übergang von Halle 5.1 zu 6.1 eingenommen hat, stand sie gestern Abend im Rahmen der Eröffnung des Lesefestes „Open Books“ zum ersten Mal in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main. Seit 2010 startet die Frankfurter Lesereihe rund um den Römer traditionell mit dem „Blauen Sofa“, und so nahmen vier prominente Schriftsteller, wie der frisch gekürte Träger des Deutschen Buchpreises, Robert Menasse, auf dem Möbel Platz. Das Quartett sollte einen Vorgeschmack auf das vielfältige Programm der kommenden Tage geben.

Didier Eribon und Dolmetscher Ren Aguigah (v.l.)

Während sein Gesprächspartner, der Journalist Volker Weidermann, sich noch ein Glas Wasser einschenkte, zückte Menasse sein Smartphone und machte vom „Blauen Sofa“ aus einen Schnappschuss des Publikums – das darüber lachte und einige dazu animierte, selbst ihre Handys in die Höhe zu halten und sein Foto zu erwidern. Das anschließende Gespräch drehte sich um den Buchpreis, den der Börsenverein des Deutschen Buchhandels dem Österreicher Menasse am Vorabend verliehen hatte, und den dabei ausgezeichneten Roman „Die Hauptstadt“. Dessen Geschichte spielt in Brüssel und zeichnet anhand von verschiedenen Figuren und einzelnen Erzählsträngen ein Bild der bürokratischen Verhältnisse innerhalb der EU. „Brüssel war ein blinder Fleck in der Literatur, sogar in der belgischen Literatur“, führte Robert Menasse auf dem „Blauen Sofa“ aus. „Vor drei Jahren wurde mir bewusst, dass die Rahmenbedingungen eines ganzen Kontinents aus einer Stadt heraus produziert werden.“ Die EU sei für ihn bis dahin ein großes „Abstraktum“ gewesen. „Ich wollte mir ansehen, was die EU konkret bedeutet, wer dort genau arbeitet.“

Neben Robert Menasse erlebten die Zuschauer gestern Abend im voll besetzten Saal außerdem die Schriftstellerin Eva Demski, den französischen Soziologen und Autoren Didier Eribon sowie den Lyriker und Büchner-Preisträger Jürgen Becker.

Eva Demski und Luzia Braun (v.l.)

Zur „Blauen Stunde“

Doch zurück zum Messegeschehen. Denn dort finden auf dem „Blauen Sofa“ nicht nur Autorenbegegnungen statt. Ab 17 Uhr beginnt täglich die „Blaue Stunde“ mit verschiedenen Diskussionsrunden. Unter dem Titel „Mein Frankreich“ schildern heute zum Beispiel Auslandskorrespondenten, aber auch der Politiker Daniel Cohn-Bendit, ihre persönliche Sicht auf das diesjährige Gastland. Morgen Abend blicken Thomas Franke, Gerd Koenen und Karl Schlögel auf das Jubiläum 100 Jahre Oktoberrevolution in Russland zurück. Am Freitag lädt Michael Sahr um 17 Uhr zum traditionellen Krimi-Speed-Dating ein, und am Samstag steht erstmals das Kinderbuch im Blickfeld der „Blauen Stunde“, unter anderem mit Paul Maar, Kirsten Boie und Alina Bronsky. (ses)

Weiterführende Informationen

Veranstaltungsort

Deutsche Nationalbibliothek
Adickesallee 1
60322 Frankfurt am Main