Das Blaue Sofa in Berlin

12.10.2016 | Bertelsmann Repräsentanz Unter den Linden 1

Auf der Frankfurter Buchmesse ist es eine Institution: das Blaue Sofa. In den vergangenen Jahren haben auf diesem Möbel sage und schreibe 2.500 Autorinnen und Autoren Platz genommen, um über (ihre) Bücher zu diskutieren – oft vor laufender Kamera. Bevor das Sofa ab morgen wieder in Frankfurt im Einsatz ist, hatte es Ende der vergangenen Woche einen Zwischenstopp in Berlin eingelegt.

Deutschlandradio Kultur und das ZDF – die drei „Besitzer“ des Sofas – ihren Gästen einen Vorgeschmack auf das größte Treffen der Buchwelt und auf dessen diesjährige Partner, Flandern und die Niederlande. Die beliebten Autoren Leon de Winter, Geert Mak, Saskia de Coster und Griet Op de Beeck waren aus Amsterdam, Antwerpen, Bloemendaal und Gent nach Berlin gereist, um ihre aktuellen Bücher vorzustellen. Bart Moeyaert, der künstlerische Leiter von „Flandern & die Niederlande“ und Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, sprachen über Highlights aus dem Programm. Mira Falk rundete den Abend musikalisch ab.

Luzia Braun

Es war das vierte Mal, dass das Blaue Sofa in der Bertelsmann­Repräsentanz stand, um Bühne für einen literarischen Abend zu sein. Nachdem Helen Müller als Leiterin der Repräsentanz die 130 Gäste begrüßt hatte, gab Luzia Braun, stellvertretende Leiterin des ZDF­Kulturmagazins Aspekte, eine kleine Vorschau auf die Frankfurter Buchmesse: „Für jeden, der sich für Literatur interessiert, ist „Das Blaue Sofa“ eine feste Institution. Das gemeinsame Autorenforum von Bertelsmann, Deutschlandradio Kultur und ZDF gibt es seit 16 Jahren und „die Ruhmesrampe für Autoren“, wie der Spiegel schrieb, bringt es inzwischen auf 2.349 Autorengespräche. Wir haben 16 Gastlandauftritte begleitet und freuen uns sehr, dass sich in diesem Jahr zwei europäische Nachbarn als „Guest of Honour 2016“ präsentieren, nämlich Flandern und die Niederlande.“

Monique van Daalen

Da die Botschaften die Vorbereitungen zu dem Abend tatkräftig unterstützt hatten, bat Luzia Braun die Botschafter beider Länder auf die Bühne und lobte eine diplomatische Glanzleistung: König Willem Alexander der Niederlande sowie König Philippe von Belgien und seiner Frau, Königin Mathilde eröffnen morgen den „Gastlandpavillon“ der Buchmesse ­ eine Geste der Wertschätzung und eine Verbeugung vor der Literatur. Monique van Daalen, Botschafterin des Königreichs der Niederlande, hob vor allem die große Lesebegeisterung ihrer Landsleute und die Bedeutung dieses Gastlandprogramms für den holländischen Buchmarkt hervor: „Mehr als 450 Titel aus den Niederlanden und Flandern kommen in diesem Jahr in deutscher Übersetzung auf den Markt. Das hat noch kein anderes Gastland geschafft.“

Koen Haverbeke

Auf die Frage, was Flandern und die Niederlande verbinde, antwortete der Repräsentant der Regierung von Flandern in Deutschland, Koen Haverbeke, dass die niederländische Sprache von ungefähr 24 Millionen Menschen weltweit gesprochen werde: zum größten Teil in den Niederlanden und in Flandern: „Niederländisch steht in Europa auf dem achten Platz. Das heißt: Es ist nicht die größte der kleinen Sprachen in Europa, sondern die kleinste der großen.“

Juergen Boos, Bart Moeyaert und Luzia Braun (v. l.)

Buchmessedirektor Juergen Boos und Bart Moeyaert vermittelten im Gespräch mit Luzia Braun Einblicke in das Programm, das die Besucher der Buchmesse erwartet. Bei der Vorstellung der bekannten flämischen Autorinnen Griet Op de Beeck und Saskia de Coster ging Luzia Braun auf den Unterschied zwischen flämischen und niederländischen Autoren ein. Anschließend nahmen sie mit Moderatorin Tina Mendelsohn auf dem Sofa Platz. Griet Op de Beeck, deren Roman „Komm her und lass Dich küssen!“ gerade bei btb/Random House erschienen ist, ist als Autorin, Dramaturgin, Journalistin und Kolumnistin eine vielseitige Künstlerin. Ihr erster Roman war mit 250.000 verkauften Exemplaren in Flandern und den Niederlanden ein Riesenerfolg.

Die Autorinnen Griet Op de Beeck und Saskia de Coster sprechen mit Moderatorin Tina Mendelsohn über ihre aktuellen Bücher

„Wir & Ich" von Saskia de Coster ist das erste Buch, das ins Deutsche übersetzt wurde. In Belgien hatte der Roman 2013 sogar "50 Shades of Grey" von Platz eins der meistverkauften Bücher verdrängt. Beide Autorinnen sprachen über erfolgreiche Familienromane, auf die die Leser teilweise sehr emotional reagiert hätten. Dazu erklärte Griet Op de Beeck: „Ich suche in meinen Büchern, die dunkelsten Ecken der menschlichen Seele und gleichzeitig eine Leichtigkeit und Helligkeit und eine Art Humor zu finden.“ Sie empfinde es als großes Glück, sich nicht zu verstellen zu müssen und bei ihren Lesern einen Punkt zu treffen, der diese emotional berührt. Saskia de Coster wollte ihren Roman nicht nur als Familiengeschichte verstanden wissen will. Das Buch habe auch eine politische Dimension. Flamen und Wallonen lebten in Belgien in Parallelwelten, beide Kulturen verbinde nur die Nationalität. Saskia de Coster erklärte, sie habe nur zwei französischsprachige Freunde „und das ist sehr viel in Belgien.“

Geert Mak und Barbara Wahlster

Zuletzt sprach der Autor Geert Mak mit Barbara Wahlster über sein Sachbuch „Die vielen Leben des Jan Six“, das zur Buchmesse im Siedler Verlag/Random House erscheint. Geert Mak wurde 2008 mit dem Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung „für sein vielgestaltiges Werk, in dem er die Geschichte und Gegenwart Europas im 20. Jahrhundert erforscht und ausleuchtet“ ausgezeichnet. Luzia Braun erinnerte bei ihrer Vorstellung an seine Rede, bei der Europa als „schaukelndes Schiff mit 27 Kapitänen auf der Brücke“ beschrieben habe. Bei Sturm werde das zum Problem, habe der Autor damals prophezeit. In den Europäischen Stürmen von 2016 erzähle Mak nun die über 400­ jährige Geschichte einer Amsterdamer Dynastie, die von Jan Six begründet wurde, einem niederländischen Kunstsammler, Mäzen und Regent des Goldenen Zeitalters.

(benet)