"Von Michail Gorbatschow bis Egon Bahr: ich freue mich besonders auf große Namen aus der Politik auf dem Blauen Sofa. Aber am neugierigsten bin ich auf Simon Winchester. Der englische Erfolgsautor hat die Biografie eines Ozeans geschrieben und dabei Erd- und Menschengeschichte, Seefahrt und Kultur in einem atemberaubenden Kraftakt zusammengefasst. Der Atlantik: spanische Konquistadoren, Piraten, Sklaven, Wikinger, aussterbender Kabeljau, schmelzende Arktis, Pilgerväter, Teaparty, U-Boot-Schlachten. Das alles und viel mehr kommt in den Sinn. Und Simon Winchester kann blendend erzählen." 

Wolfgang Herles über Michail Gorbatschow: Alles zu seiner Zeit. | Verlag Hoffmann und Campe, Egon BahrDas musst du erzählen | Propyläen Verlag und Simon Winchester: "Der Atlantik | Knaus Verlag

"September 2000: Deutschland hat den Mond kolonisiert, Wien ist das politische und kulturelle Zentrum der Erde, Anne Frank erhält den Literaturnobelpreis. Bizarr? Unbedingt! Hannes Stein entwirft in seinem unterhaltsamen und klugen Buch „Der Komet“ eine Welt, die weder den Ersten noch den Zweiten Weltkrieg kennt. Und alles nur, weil Österreichs Thronfolger nach dem ersten Attentatsversuch 1914 in Sarajewo sagt: „I bin doch ned dappat, i fohr wieder z’haus.“

Marie Sagenschneider über Hannes SteinDer Komet | Galiani Berlin

"Die Zahl der Stürme und Unwetter-Katastrophen wächst stetig, die Vegetation vieler Regionen der Welt wandelt sich bedeutend, die Erdatmosphäre erwärmt sich weiter – während wir noch glauben darüber streiten zu können, ob es einen Klimawandel gibt oder nicht. Wir müssten uns schon längst der Frage stellen, wie wir mit den Konsequenzen umgehen, ungeschehen machen können wir sie schon längst nicht mehr. Das ist der Ausgangspunkt des Buches „Spielball Erde“, in dem Claus Kleber Themen, denen er sich in Fernsehdokumentationen gewidmet hat, systematisch vertieft. Herausgekommen ist ein Buch, das ohne vibrierenden Alarmismus dazu aufruft, verantwortungsvolles Krisen-management zu betreiben, statt den Kopf in den Sand zu stecken. Mir rieseln die Sandkörner noch aus den Haaren, aber ich bin willens, mich mit der neuen Weltlage vertraut zu machen und neugierig auf das Gespräch mit Claus Kleber."

Hans Dieter Heimendahl über Claus KleberSpielball Erde | C. Bertelsmann

 

"Mein absolutes Lieblingsbuch in dieser Saison ist „Quasikristalle“ von Eva Menasse. Faszinierend ihre Heldin, vor allem aber die Perspektive, aus der sie erzählt wird. Gleich 13 Bekannte werfen ein immer wieder neues Licht auf Xane , zeigen sie als Tochter, Mutter, Patientin mit Kinderwunsch, untreue Gattin. Eine Frau voller Widersprüche, schillernd und funkelnd wie ein Kristall, eckig und kantig wie das Leben.Beim Lesen dieses rasanten Romans ging es mir wie beim Tanzen unter der Discokugel:Je fragmentarischer die Lichtblitze, desto euphorischer mein Gesamtzustand. Außerdem freue ich mich besonders auf den sound meiner Heimat - im Gespräch mit Martin Walser über sein alter ego „Meßmers Momente."

Luzia Braun über: Eva Menasse: "Quasikristalle"  | Verlag Kiepenheuer & Witsch und Martin Walser: "Meßmers Momente" | Rowohlt Verlag  

 

"Besonders gespannt bin ich auf Bernhard Kegel und sein Buch „Tiere in der Stadt. Eine Naturgeschichte“. Lehrreich und unterhaltsam zugleich. Wussten Sie, dass 75 Prozent aller Stechmücken-Arten Mitteleuropas in Berlin leben? Oder dass die seltenen und eigentlich sehr scheuen Haubenlerchen ihre Jungen mitten im dichten Autoverkehr aufziehen?"

Susanne Führer über Bernhard KegelTiere in der Stadt | Dumont Literaturverlag

 

„Elsa ungeheuer“ – dieser Titel hat mich sofort neugierig gemacht und an eine meiner Lieblingsheldin meiner Kindheit „Die kleine Hexe“ denken lassen. Meine Neugierde wurde belohnt. Elsa ist ungeheuer stark, ehrlich und auch oft ungeheuer hart. Und dafür gibt es traurige Gründe, aber Elsa hat keine Angst. Sie gibt nie auf. Ihre wichtigste Waffe ist ihr Humor. Astrid Rosenfeld zeigt wunderbar, daß Sprache selbst dunkelste Welten mit Humor besiegen kann. Lisa ist eine Heldin, die nicht nur ihre beiden Freunde, die Brüder Karl und Lorenz, nie vergessen können. Auch ich bin willenlos gefolgt, denn auch ich glaube, daß Wut im Bauch Kraft verleiht.“
Marita Hübingerüber "Elsa ungeheuer" | Diogenes

"Das Großartige an Buchmessen ist, dass, mittendrin, manchmal etwas geschieht, das sich dem Messerauschen aus Smalltalk, Neuigkeiten, Häppchen und Scheinwerfern entzieht. Diesmal könnte die Begegnung mit Klaus-Michael Bogdal so etwas werden. Bogdal hat seine Studie "Europa erfindet die Zigeuner" vor zwei Jahren veröffentlicht, keine Neuerscheinung also. Er taucht da in eine Jahrhunderte alte „Geschichte von Faszination und Verachtung“ ein und birgt eine nicht enden wollende Serie von Feindbildern.“ 
René Aguigah über Klaus Michael Bogdal, der mit dem Leipziger Buchpreis für europäiscje Verständigung ausgezeichnet wird.

"Ein deutscher Kriegsreporter zieht wochenlang als Geisel mit einer Gruppe Taliban durch Afghanistan. Kann der Roman „Das Leuchten in der Ferne“ möglicherweise ein treffenderes Bild von der Wirklichkeit vermitteln als eine Reportage? Ich bin gespannt darauf, diese These mit dem Autor Linus Reichlin zu diskutieren. Auch mit Ralph Dutli lässt sich sicher gut über das Verhältnis von Fakten und Fiktion sprechen. Erzählt er doch in „Soutines letzte Fahrt“ auf originelle und poetische Weise vom Leben und Werk des expressionistischen Malers Chaim Soutine".

Dorothea Westphal über Linus ReichlinDas Leuchten in der Ferne | Galiani Berlin und Ralph Dutli: "Soutines letzte Fahrt" | Wallstein Verlag

„Auf dem Blauen Sofa sitzen glücklicherweise nicht nur bekannte Gesichter, sondern in diesem Frühjahr auch zwei sehr bemerkenswerte junge Autorinnen. Bemerkenswert deshalb, weil sowohl Olga Grjasnowa als auch Téa Obreht uns die Welt so vor Augen halten, wie wir sie nicht sehen können. Olga Grjasnowa, noch in der ehemaligen Sowjetunion geboren, schreibt auf Deutsch über eine Grenzgängerin, die nirgendwo wirklich ankommt: poetisch, verwirrend und zutiefst heutig. Téa Obreht hat, aus dem ehemaligen Jugoslawien kommend, ihre literarische Stimme in den USA entwickelt: märchenhaft und realistisch, präzise und rätselhaft zugleich. Von diesen beiden Romandebüts und ihren Autorinnen werden wir noch viel hören.“
 

Barbara Wahlster über Olga Grjasnowa: Der Russe ist einer, der Birken liebt | Hanser Verlag und Téa Obreht: Die Tigerfrau | Rowohlt Verlag

„Inge Kloepfer wollte wissen, wie Kinder und Jugendliche wirklich über die Erziehungskünste ihrer Eltern denken. Das Ergebnis ist überraschend: Jugendliche wollen gefordert werden. Leistungsdruck und Lebensfreude sind kein Gegensatz. Schule und Elternstress werden zu einem Popanz aufgeblasen. So gilt der alte Lehrsatz von Paul Watzlawick: Bei der Wahl seiner Eltern sollte man vorsichtig sein.“

 

Christhard Läpple über Inge Kloepfer: Glucken, Drachen, Rabenmütter | Hoffmann und Campe

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